Totalendoprothesen, TEP, Orthopädie im Info Netzwerk Medizin 2000  
Endoprothesen, Orthopädie im Info Netzwerk Medizin 2000
     
Orthopädie, Orthopedics im Info Netzwerk Medizin 2000 
 


 

 

Wider das Leid der späten Jahre

Schmerz im Alter ist kein unabwendbares Schicksal
(Seite 1 von 2)

Frankfurt, März 2001 - „Bessere Methoden zur Schmerzmessung und moderne Verfahren der Schmerztherapie können das Leid der späten Jahre lindern“, erklären Experten auf dem 12. Deutschen Schmerztag in Frankfurt. Viele ältere Menschen halten Schmerz für ein normales Phänomen des Alters und glauben, dass diese nicht zu lindern sind. Darum sprechen sie nicht mit ihrem Arzt wenn sie Schmerzen haben. Schmerzexperten fordern deshalb, dass der Arzt routinemäßig nach Schmerzen fragen soll.

Zur Schmerzmessung stehen unterschiedliche Skalen zur Verfügung. Ältere Patienten kommen jedoch besser mit Skalen zurecht, die mit dem Schmerz verbundene Emotionen erfassen: „erträglich“, „quälend“ oder „unerträglich“. „Bei Skalen, die lediglich die Schmerzintensität, also „gering“ oder „stark“ ermitteln, haben Ältere hingegen oft Probleme, die einzelnen Stufen zu unterscheiden“, berichtet Professor Thorsten Nikolaus, Chefarzt der Geriatrischen Klinik Bethesda in Ulm.

Bei Dementen: Schmerzmessung mit Smileys

Besonders problematisch ist die Schmerzmessung bei dementen Patienten. Bei ihnen setzt Nikolaus eine Skala mit so genannten Smiley-Symbolen ein. Die einfachen lachenden oder weinenden Gesichter sollen den Patienten helfen, ihr Befinden auszudrücken. Außerdem ist bei diesen Patienten die Beobachtung durch Pflegepersonal und Arzt von großer Bedeutung: „Bei Auffälligkeiten wie Grimassieren, Aufregung oder Aggressivität muss man auch an Schmerz denken“, betont Nikolaus.

„Spezielles „Schmerzinterview“ für ältere Patienten

Für eine umfassende Schmerzanalyse bei alten und sehr alten Patienten hat eine Arbeitsgruppe unter der Federführung von Professor Nikolaus und dem Psychologie-Professor Heinz-Dieter Basler von der Universität Marburg ein neues „Schmerzinterview“ entwickelt. Es ist für Patienten geeignet, deren Erkenntnisfähigkeit nicht oder gering beeinträchtigt ist. Das Interview, das maximal 20 Minuten dauert, umfasst 18 Fragen etwa zum Ort und zur Dauer der Schmerzen. Die Arbeitsgruppe hat das Interview in einer Pilotphase bei 141 Patienten in zehn Zentren getestet und seine Zuverlässigkeit überprüft. „Es erfasst die Schmerzen sehr umfassend und ist gut anwendbar“, resümiert Nikolaus die ersten Erfahrungen.

Trias des Leidens: Schmerz, Depression und Angst

Chronische Schmerzen sind nicht nur Symptome körperlicher Erkrankungen, sondern treten auch bei seelischen Störungen wie Depression und Angst auf. „Schmerz, Depression und Angst können sich zu einer Trias des Leidens treffen und gegenseitig verstärken“, erklärt Privatdozent Dr. Roland Wörz, Leiter des Schmerztherapeutischen Kolloquiums Bad Schönborn. Der Schmerz spiele in dieser Trias jedoch die dominierende Rolle. „Schmerz tritt bei depressiven Störungen in etwa 60 bis 70 Prozent der Fälle als Begleitsymptom oder als dominierende Beschwerde auf“, erklärt Wörz. Die Mehrzahl der Depressiven haben auch Ängste: Angst vor Schmerzen, vor Kompetenzverlust, Abhängigkeit und sozialem Abstieg. Besonders häufig leiden Ältere an schmerzhaften Gelenkerkrankungen. „Diese Schmerzen sind abhängig von der Belastung und führen zu weiteren Beeinträchtigungen im motorischen und sozialen Leben, so dass der Leidenszustand ganz in den Mittelpunkt des Lebens rückt“, sagt Wörz. Isolation und Vereinsamung verstärken wiederum die depressive Verstimmung und tragen zur Chronifizierung der Schmerzen bei.         

Quelle: 12. Deutscher Schmerztag, 15.-17. März 2001, Frankfurt/Main.    

  

weiterblättern

 

 
zum Seitenanfang
Orthopädie, Unfallchirurgie im Info Netzwerk Medizin 2000
Copyright ©  LaHave Media Services Limited