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Schmerz im Alter ist kein unabwendbares Schicksal
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Die Übermacht des Schmerzes brechen

Von der „Trias des Leidens“ betroffene Patienten brauchen eine individuell abgestimmte, differenzierte Therapie. Wörz empfiehlt: „Die Aufmerksamkeit muss weg vom Schmerz. Das gelingt aber nur, wenn dieser medikamentös gelindert und wenn seine Übermacht aufgehoben wird.“ Über die Schmerzlinderung lassen sich dann auch der seelische Zustand und die Beweglichkeit sowie die Teilnahme am sozialen Leben verbessern. Wörz empfiehlt eine kombinierte Therapie mit antidepressiv und angstlösend wirkenden Medikamenten sowie gut verträglichen Analgetika. Neben der medikamentösen Therapie hat die Aktivierung, etwa gesellige Spaziergänge, kleine Ausflüge oder kulturelle Veranstaltungen einen wichtigen therapeutischen Nutzen.

Das WHO-Stufenschema - für Ältere mehr Risiko als Gewinn?

Das „Stufenschema“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt nach wie vor als Leitlinie für die medikamentöse Schmerztherapie. Es empfiehlt zunächst Analgetika wie Paracetamol und Entzündungshemmer wie Acetylsalicylsäure oder nichtsteroidale Antirheumatika (Stufe I). Dann sollen schwach wirksame Opioide eingesetzt werden (Stufe II). Wirken diese nicht (mehr), greifen die Mediziner zu den stärksten Waffen, den stark wirksamen Opioiden (Stufe III). Der Präsident des Schmerztherapeutischen Kolloquiums Dr. Gerhard Müller-Schwefe stellt die Weisheit dieser Empfehlungen bei älteren Patienten nun in Frage: „Das strikte Vorgehen nach dem WHO-Stufenschema kann gerade bei älteren Patienten riskant sein“, sagt der Schmerztherapeut. „Neue Erkenntnisse der Grundlagenforschung und die Entwicklung moderner Medikamente zwingen zum Umdenken.“ Grundsätzlich muss eine exakte Schmerzanalyse Grundlage der pharmakologischen Schmerz-therapie sein. Müller-Schwefe: „Schmerzintensität und Schmerzursache sollten gleichermaßen die Wahl der geeigneten Medikamente bestimmen.“ Dem verbreiteten Vorurteil, dass Opioide gefährlicher seien als die so genannten einfachen Analgetika, tritt er entgegen: Bei Paracetamol müssen eine hohe Lebertoxizität und eine geringe analgetische Wirkung in Kauf genommen werden. Herkömmliche nicht-steroidale Antirheumatika verursachen Nebenwirkungen in Magen und Darm und sind jährlich für 3000 Todesfälle in Deutschland aufgrund von Magen- und Darmblutungen verantwortlich. Für den alten Organismus stellen die Analgetika der Stufe I darum eine große Belastung dar. „Nur wenn Entzündungen die Schmerzen verursachen, sind Entzündungshemmer sinnvoll. Hat das Nervensystem den Schmerz jedoch bereits ‚gelernt‘, ist ein sofortiger Einsatz von Opioiden gerechtfertigt“, argumentiert Müller-Schwefe.

Quelle: 12. Deutscher Schmerztag, 15.-17. März 2001, Frankfurt/Main.        

 

 
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